Arbeit abschaffen


Leserbrief veröffentlicht in Stuttgarter Zeitung online von Fritz Henke

 

Wir haben die Möglichkeit marktorientiert und regional am Bedarf zu produzieren und dadurch Arbeitsplätze zu schaffen oder europaübergreifend zu expandieren und durch Industrialisierung wesentlich effizienter zu produzieren. Hier liegt die Entscheidung die jeder Unternehmer trifft.

 

Möchte ein Unternehmer mit Mitarbeitern arbeiten oder lieber mit High Tech. Sind die Mitarbeiter wirklich teurer als die Maschinen Darlehen die zurückgezahlt werden? Auch hier sehe ich Entwicklungs & Anpassungsspielraum.

 

Eine weitere Entscheidung trifft der Einzelne. Er entscheidet wie er arbeiten möchte. Möchte er eingebunden in eine Maschinerie in drei Schichten arbeiten und gegen seine Natur leben?

 

Möchte er in kleinen Gruppen kreativ tätig sein und arbeiten?

Ist für ihn die Stundenzahl ausschlaggebend oder die Freude an der Arbeit?

 

Nun zurück zum Unternehmer. Entscheidet sich der Unternehmer den Weg der Industrialisierung zu beschreiten und lässt Maschinen arbeiten, so ist die Sichtweise von Herrn Werner die Quintessenz. Die Produktivität der Maschinen sollte dann umgerechnet werden auf die sonst tätigen Mitarbeiter. Dieses schafft, wie Herr Werner erwähnte, die fehlende Kaufkraft in Deutschland.

 

In der Vergangenheit wurde schon mal über eine Besteuerung von Maschinen nachgedacht.

 

Die Diskussion um die Mehrwertsteuer sehe ich ähnlich. Es gibt Länder die über die hohe Mehrwertsteuer ihren Bürgern freie Heilführsorge und Rente gewähren. In diesem System liegt ein gewaltiger Vorteil. Alle in Deutschland lebenden oder sich aufhaltende Personen, das sind auch Besucher oder Touristen, zahlen in den gemeinnützigen Steuerpool ein. Die Belastung für den Einzelnen geht dadurch spürbar zurück wie ich von in Skandinavien lebenden Personen erfuhr. Skandinavien hat sicherlich noch einen weiteren Vorteil. Die Grundstückspreise und das Bauen sind dort so günstig, dass es fast jeder Familie möglich ist zu bauen.

 

An dieser Stelle möchte ich Herrn Werner widersprechen, wenn er den Lebensstandart der Generationen damals und heute anspricht. Fernseher und Autos hatten sicherlich in der Vergangenheit nicht solch einen Stellenwert wie bei uns heute. Ich hatte als Kind keinen Mangel ohne Fernsehen und Telefon. Doch war es in Deutschland möglich als Alleinverdiener eine Familie und ein Haus zu finanzieren. Heute ist dies die Ausnahme. Möchte man vom jetzigen Wohlstand sprechen, so ist dieser sicher nicht in den letzten Jahren entstanden sondern weit davor.

 

Auch andere Bereiche wie das menschliche Miteinander haben sich aus meiner Sicht eher verschlechtert. Viele Menschen klagen über Zeitmangel und Geldmangel. In meiner Jugend gab es so etwas noch nicht.

 

Die Einteilung in Zeit gleich Geld ist fatal und kann nicht funktionieren, weil die Freude fehlt. Wer möchte schon unter Druck arbeiten. Kreativität ist unter Druck nicht möglich. Zeit ist nicht mehr als eine Wahrnehmung, ein Gefühl. Zeit ist nicht real. Es gibt keine oder nur Zeit, sie hört nicht auf und ist unendlich. Wir können einen Moment als Ewigkeit empfinden oder nicht wahrnehmen. Es ist lediglich unsere Angst etwas zu verpassen oder nicht genug zu verdienen. Es ist niemals die Zeit.

 

Doch was ist Geld?

 

Vor vielen Jahren stellte ich unserem damaligen Steuerberater die Frage was passieren würde, wenn die Menschen nicht nur Onlinebanking praktizieren, sondern sich auch gleich die Geldscheine selbst ausdrucken können?

 

Die Antwort von meinem Steuerberater war für mich verblüffend. Er sagte sinngemäß: „Es wird nicht funktionieren, weil alle Menschen konsumieren und niemand mehr die Regale im Supermarkt auffüllt.“

 

Meine nächste Frage lautete: „Was wäre wenn, es ab morgen weltweit kein Geld mehr gäbe?“

 

Seine Antwort sinngemäß: „Es würde funktionieren, weil die Menschen das täten was ihnen Freude bereitet ohne darüber nachzudenken, ob es sich rechnet und sie davon überleben können.“

 

Auch hier decken sich Ansätze von Herrn Werner. Doch bin ich kein Freund von Extremen die ich selber lange genug gelebt habe, sondern von verschiedenen Möglichkeiten. Es ist möglich sowohl als auch sein Leben zu meistern. Es bedarf dazu die Entscheidung des Einzelnen. Er ist dann für sich verantwortlich. Im Größeren würden dadurch auch die Kommunalen Verwaltungen und die Regierungsverantwortung abnehmen. Die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen hat selbstverständlich auch Einfluss auf die Arbeitsstätten.

 

Streitigkeiten um Löhne oder die Forderungen, dass die Gutverdienenden den Ärmeren etwas abzugeben haben würden dann langsam beigelegt. Jeder Mensch hat sich durch seine Entscheidungen dahinbewegt wo er steht. Es ist schwer dafür die Verantwortung zu tragen. Zu sehen ist dies auch in der Politik unseres Landes. Dennoch ist es möglich sich durch neue Entscheidungen dahin zu bewegen wo man hin möchte. Diesen Mut wünsche ich Jedem. 

 

Autor: Fritz Henke 02.08.2005